30.01.09 14:04
Die Sommergerste gilt als anspruchsvolle Kultur, wenn es um die Düngung geht. Das verhältnismäßig schwache Wurzelsystem und die kurze Vegetationszeit sind die Hauptgründe dafür. In den vergangenen Jahren haben wir versucht herauszufinden, mit welcher Düngungsstrategie in Sommergerste die sichersten Erträge zu erwirtschaften sind.
1. Düngungsstrategien:
- In den Kontrollvarianten wurde auf jegliche Düngung verzichtet, um das Nachlieferungspotenzial des jeweiligen Standortes abschätzen zu können.
- Alle Versuchsglieder mit Ausnahme Bluformula 38 plus Umostart (keine P-Düngung) wurden mit jeweils 60 kg PK rein gedüngt.
- Die Standarddüngung wurde mit Linzer Star (15:15:15) zum Anbau und NAC gegen Ende der Bestockung durchgeführt.
- Entec 26 war die dritte Variante, wobei Entec 26 als einmalige Gabe zum Anbau bzw. als Kopfdüngung nach Grunddüngung mit Linzer Star geprüft wurde.
- Harnstoff wurde ebenfalls als einmalige Gabe zum Anbau, als auch als Kopfdüngung getestet.
- Bluformula 38 wurde wie Entec 26 und Harnstoff in beiden Varianten geprüft.
- Bluformula 38 in Kombination mit 30 kg bzw. 50 kg Umostart Super Zn.
2. Dünger, Inhaltsstoffe und N-Formen:
- Linzer Star: 15 % N, davon 7,5 % als NO3, 7,5 % als NH4, 15 % P2O5, 15 % K2O
- Nitramoncal: 27 % N, davon 13,5 % als NO3 und 13,5 % als NH4
- Entec 26: 26 % N, davon 7,5 % als NO3 und 18,5 % als NH4. DMPP (3,4-Dimethylpyrazolphosphat) als Nitrifikationshemmer)
- Harnstoff: 46 % N in Form von NH2
- Bluformula 38: 38 % N, davon 3 % als NH4, 28 % als NH2 und 7 % als Methylenharnstoff
- NP 25:10: 25 % N, davon 2,5 % NH4, 16 % als NH2 und 6,5 % als Methylenharnstoff plus 10 % P2O5
- Umostart Super Zn: 11 % N, 50 % P2O5, 1 % Zn
3. Ergebnisse:
- In den einzelnen Jahren wurden hohe Unterschiede in der N-Nachlieferung bei den einzelnen Standorten verzeichnet. 2006 konnte in der ungedüngten Kontrolle ein Ertrag von 3064 kg geerntet werden – der Durchschnitt aller Versuchsglieder betrug 6277 kg. 2007 wurden im Durchschnitt 3574 kg gedroschen, die Kontrolle brachte 2795 kg. Im heurigen Jahr standen die Düngungsversuche sowohl in St. Donat, als auch in St. Kanzian. In St. Donat wurden im Mittel 7231 kg gedroschen, die Kontrolle lieferte mit 6731 kg nur unwesentlich weniger Ertrag. Auch in St. Kanzian war mit 8062 kg in der Kontrolle bereits ein enormer Ertrag zu ernten, das Mittel über alle Versuchsglieder betrug 9108 kg.
- In den trockenen Jahren 2006 und 2007 zeigen sich für stabilisierte N-Dünger mehr oder weniger deutliche Ertragsvorteile. Die Situation ist 2008 auf dem verhältnismäßig leichten Boden in St. Kanzian bei höherem Niederschlagsniveau im Frühjahr eine andere: Hier wird mit der standardmäßigen Gabenteilung der höchste Ertrag erzielt. In St. Donat sind unabhängig von der N-Form die einmaligen N-Gaben zum Anbau ertraglich besser als die geteilten Gaben. Das lässt den Schluss zu, dass auf schweren Böden die Kopfdüngung sicher früher zu geben ist bzw. dass die Auswaschungsverluste verhältnismäßig gering sind.
- Betrachtet man die Harnstoffvarianten über die Jahre, so liegen sie tendenziell immer unter den Vergleichsvarianten.
- Unabhängig von der gedüngten N-Form erzielen die Parzellen mit geteilten N-Gaben in St. Donat 2008 geringere Erträge als jene mit einmaliger N-Gabe. Das lässt den Schluss zu, dass die Anschlussgabe einfach zu spät ausgebracht wurde und/oder der N aufgrund der Niederschlagsverteilung zu spät wirksam wurde.
4. Schlussfolgerungen
- Sommergersten erreichen in der Regel über hohe Bestandesdichten (> 700 Ähren je m²) sichere Erträge. Um das zu schaffen, muss in der Bestockung genügend N vorhanden sein bzw. es darf zu Schossbeginn und damit beim Beginn der Triebreduktion kein Versorgungsloch entstehen.
- Die Praxis der zweifachen Gabenteilung beim Stickstoff hat sich bewährt, es besteht kein Grund sich davon zu verabschieden.
- In der Regel sollte die Grunddüngung zum Anbau erfolgen, um rechtzeitig einen ausreichenden N-Pool im Boden bereitzustellen.Diese Empfehlung ist nach derzeitigem Wissensstand die wesentlichste Änderung zu unserer bisherigen Aussage, die Grunddüngung beim Sichtbarwerden der Fahrgassen zu applizieren.
- Die Höhe der N-Gabe zum Anbau sollte so bemessen werden, dass eine folgende (unter Umständen mehrwöchige) Trockenphase ohne ausgeprägte N-Mangelerscheinungen überbrückt werden kann. Das bedeutet eine Größenordnung von > 60kg N in Form von NO3 plus NH4 (egal ob aus Wirtschafts- oder Mineraldünger).
- Unter kritischen Witterungsbedingungen (Trockenheit) die Anschlussgabe keinesfalls zu spät (nach Schossbeginn) einplanen.
5. Diagramme Versuchsergebnisse 2008
5.1. Düngeplan auf Basis 120 kg N/ha
5.2. Düngungsversuch St. Donat 2008
5.3. Düngungsversuch St. Kanzian 2008
5.4. Düngungsversuche Mittelwerte 2008

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