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Schäden durch Flugbrand bei Gerste nehmen deutlich zu

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Von: DI Manfred Weinhappel, Ages - Institut für Saatgut

28.09.09 14:22

Flugbrand bei Gerste (Ustilago nuda) ist eine der bekanntesten samenbürtigen Krankheiten. Durch das zwar immer wieder beobachtete Vorkommen, aber bis dato überwiegend geringfügige Schadausmaß wird diese Krankheit zwar einerseits von vielen Landwirten erkannt andererseits aber auch unterschätzt.


In den letzten Jahren baute sich jedoch ein massiver Befallsdruck auf, der insbesondere bei Sommergerste, zunehmend aber auch bei Wintergerste wirtschaftlich relevante Schäden hervorruft.


Schadwirkungen von Flugbrand

 

Ustilago nuda, der Erreger des Flugbrandes, ist ein Pilz der im Embryo des Gerstensamens eingewachsen ist. Im Zuge der Keimung und der fortlaufenden Vegetation wächst der Pilz systemisch in der Pflanze mit und erst zum Zeitpunkt des Ährenschiebens tritt die so genannte „Brandähre“ als erstes sichtbares Symptom zutage. Dies bedeutet, dass anstelle der Ährchen eine schwarz-dunkelbraune Masse ausgebildet ist, die mit Fortdauer zusehends ausgestäubt so dass letztendlich nur mehr die blanke Ährenspindel übrig bleibt.

Durch diese Befallscharakteristik entstehen folgende vordergründigen Schadwirkungen:

*    Durch die Ausbildung der Brandähren anstelle einer gesunden Ährenanlage entsteht ein direkter Ertragsausfall. In der diesjährigen Vegetationsperiode wurden teilweise Bestände mit Extrembefallswerten von 10-20% beobachtet – dies bedeutet auch Ertragsausfall in diesem Ausmaß. Die Flugbrandfreiheit von Gerstenbeständen ist somit auch ein wesentlicher Parameter zur Ertragssicherung.
 

Flugbrand bei Gerste direkt zum Ährenschieben (links) bis zu nahezu vollständig ausgestäubten Brandähre (ganz rechts)

 
*    Die hervorgetretenen Brandähren bestehen aus Millionen von Einzelsporen, die durch Witterungseinflüsse – vor allem durch Wind – im Bestand selbst als auch auf umliegende Bestände verbreitet werden. Benachbarte Gerstenbestände, auch wenn diese selbst absolut flugbrandfrei sind, können durch diese verfrachteten Flugbrandsporen zum Zeitpunkt der Blüte infiziert werden und flugbrandbefallene Körner hervorbringen. Ausstäubende Flugbrandpflanzen verhindern daher die Saattauglichkeit des eigenen sowie der umliegenden Bestände.


*    Durch den immens weitreichenden und vor allem hohen Befallsdruck, der sich in den letzten Jahren aufbaute, stellt dieses oben beschriebene Szenario eine hohe Belastung für die Saatgutproduktion dar. Untersuchungen des Bundesamtes für Ernährungssicherheit, als zuständige Behörde für die Saatgutanerkennung belegen eindeutig, dass natürliche Flugbrandfreiheit immer seltener vorliegt. Dadurch sind zusehends teure Spezialbeizmittel notwendig, oder die Rohware ist nicht mehr als Saatgut tauglich.

 

Ursachen für die Befallsausweitung sowie Maßnahmen zur Bekämpfung

 

Ausgangspunkt für die sich zuspitzende Befallssituation ist die einerseits mangelnde Qualität des Nachbausaatgutes sowie die sich immer noch weiter verbreitende Verwendung des Nachbaus. Da am Korn keinerlei Anzeichen von Befallssymptomen erkennbar sind, meinen viele Praktiker, dass der Nachbau hohe Qualität aufweist. Durch die bereits recht fortgeschrittene Epidemie ist dies aber selten der Fall. Da aber der Nachbauanteil bereits sehr hoch ist (Sommergerste > 60%, Wintergerste ca. 40%) und nach wie vor zunimmt, sollten einige wesentliche Schritte unternommen werden um diese Befallsspirale zu stoppen.

*     Zertifiziertes Saatgut ist im Hinblick auf die Flugbrandvermeidung insofern ein sicheres Produkt, da im Rahmen des Saatgutanerkennungsverfahrens sowohl die Vermehrungsbestände, die benachbarten Bestände als auch die fertig aufbereitete Saatware auf Flugbrand untersucht wird. Nur gesundes oder innerhalb der rechtlich festgelegten, sehr geringen Toleranzgrenzen befallenes Saatgut darf in Verkehr gebracht werden. Bei erhöhtem Befall sind Spezialbeizen zwingend vorgeschrieben.


*    Im Bereich der Beizmittel bekommen bei Gerste Spezialbeizmittel mit Flugbrandwirksamkeit immer mehr Bedeutung. Durch den Sitz des Erregers im Saatgut – direkt im Embryo – und dem systemischen Krankheitsverlauf ist auch eine spezifische Wirksamkeit des Präparates notwendig. Herkömmliche Gerste-Standardbeizen mit einem grundsätzlich sehr gutem Wirkungsprofil gegen relevante Erreger bei Gerste zeigen häufig Wirkungslücken bei Flugbrand und sind somit gemäß Pflanzenschutzmittelregister auch nicht gegen Flugbrand registriert. Nachbausaatgut sollte aktuell, sofern die Flugbrandfreiheit nicht eindeutig belegt ist, jedenfalls mit derartigen Spezialbeizen (Tabelle) behandelt werden. Auf Lohnaufbereitungsstellen sollte vorher nachgefragt werden, welches Beizmittel zur Anwendung kommt.


*    Neben der Wahl des Beizmittels kommt aber auch der Beizqualität selbst eine zentrale Bedeutung zu. Nur mit entsprechender Dosierung und Auf-bringungsgenauigkeit des Beizmittels ist auch ein hoher Wirkungsgrad zu erreichen. Eigene Hofbeizungen zeigen in dieser Hinsicht oft völlig unzulässige Qualität.

Felder mit hohem Flugbrandbefall sind von Ertragsverlusten betroffen, aber auch problematisch, weil sie über die Verbreitung der Sporen die benachbarten Felder infizieren können. Daher müssen die aufgezeigten Sanierungs- und Vorbeugemaßnahmen konsequent über Jahre angewandt werden um die Dynamik in der Flugbrandausbreitung nachhaltig wieder in den Griff zu bekommen.

 

 







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Beginn: 9:30 Uhr

Aufzuchtstation Ossiacher Tauern

Tauern 1, 9560 Feldkirchen

 

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