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Sojabohne – Kultur für Könner

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30.01.09 13:28

Seit den Anfängen des Sojaanbaues in Kärnten in den achtziger Jahren hat es für diese Kultur ein ständiges Auf und Ab gegeben. Mit dem Preisverfall beim Getreide und vor allem beim Mais einerseits und den drastisch gestiegenen Kosten für die Düngemittel andererseits gibt es für die Sojabohne neue Perspektiven. Dazu kommt ein im Vergleich zu anderen Kulturen attraktiver Preis.


Dass es mit Sojabohne möglich ist, konkurrenzfähige Deckungsbeiträge zu erwirtschaften, konnte in den vergangenen Jahren nicht nur in unseren Versuchen, sondern auch in der breiten Praxis bewiesen werden. Wie bei allen Tätigkeiten im landwirtschaftlichen Bereicht ist nicht nur ein handwerkliches und fachliches Geschick für den Erfolg nötig, sondern auch eine gewisse Zuwendung, man könnte sagen eine gewisse „Liebe“ zur Kultur. Dazu gehört grundlegend die Integration der Sojabohne in die Fruchtfolge, d.h., die Sojabohne kommt im Laufe der Rotation betriebsintern auch auf die guten Standorte. Die oft beobachtete Praxis, dass die vermeintliche „cash-cow“ Mais auf die besten Flächen kommt und die „ungeliebten“ Alternativkulturen sich mit den schwachen Standorten begnügen müssen, führt zwangsläufig zum Misserfolg.

Unsere Versuchsergebnisse der letzten Jahre spiegeln die Leistungsfähigkeit der heutigen Sojasorten eindrucksvoll wider. Zum Ausdruck kommt dabei allerdings klar, dass das Verhältnis Ertragsleistung Praxis zu Ertragsleistung Versuch bei 1:1,3 bis 1:2 liegt. Beim Getreide, insbesondere aber beim Mais ist dieses Verhältnis in der Regel deutlich enger – die Erträge klaffen also bei weitem nicht so stark auseinander. Die Schwäche liegt offensichtlich nicht unbedingt bei der Sortenwahl, sondern in der Produktionstechnik. Als Leguminose ist die Sojabohne in gewisser Hinsicht „Selbstversorger“, was die Stickstoffversorgung anbelangt. Auch bei PK besteht in der Regel kein Düngungsbedarf, nachdem die Sojabohne – wie auch andere Leguminosen – ein sehr gutes Nährstoffaneignungsvermögen besitzt. Aus dieser Sicht heraus bleiben also nur wenige Ansatzpunkte, wo wir als Produzenten tatsächlich eingreifen können, um die Ertragsleistung zu verbessern.

1. Bodengesundheit Bodenvorbereitung


Selbstversorger beim Stickstoff ist genau genommen falsch formuliert: die Sojabohne ist auf die Symbiose mit den Rhizobien angewiesen. Diese Rhizobien brauchen ihrerseits annehmbare Lebensbedingungen:

 

     

1.1. schwach sauren bis neutralen Boden pH-Wert
1.2. gut strukturierten und damit
1.3. gut durchlüfteten Boden
1.4. keine toxischen Stoffe (Überkonzentration Ammoniak, Zink, Chlor, Antibiotika) 

 

Sowohl die Grund-, als auch die Sekundärbodenbearbeitung sind auf diese Ziele hin auszurichten. Insbesondere Betriebe mit Intensivtierhaltung müssen sich hinsichtlich möglicher toxischer Stoffe (siehe oben) überlegen, wie sie Güllegaben verteilen, ohne Schäden zu provozieren.

2. Aussaat – räumliche Pflanzenverteilung:


Die Aussaat der Sojabohne ist in mehrfacher Hinsicht die „Königsdisziplin“ ackerbaulichen Könnens. In der Regel gilt es, rund 60 bis 80 Körner je m² so zu platzieren, dass einerseits möglichst jedes Korn in einer Tiefe von mindestens 2 cm bis maximal 4 cm den Anschluss an das Bodenkapillarwasser erhält. Das zweite Kunststück besteht darin, die Körner innerhalb der Reihe so zu verteilen, dass jeder Pflanze ein möglichst gleiches Platzangebot zur Verfügung steht. Bei der üblichen Reihenweite der Drillmaschinen von 12 cm und 70 Körnern je m² wären das rechnerisch 12 cm Abstand von Korn zu Korn. Tatsächlich werden aber 3 bis 5 Körner innerhalb 5 bis 10 cm abgelegt, danach folgt ein Leerraum von 15 bis 30 cm, dieses Spiel einer Zufallsverteilung wiederholt sich beliebig. Faktum ist, dass unter den genannten Voraussetzungen von 100 ausgesäten Körnern – damit von 100 potentiellen „Leistungsträgern“ nur 40 effektiv die von ihnen erwartete Leistung bringen können.

 

Die theoretische Ertragsleistung soll anhand zweier Rechenbeispiele unter folgenden Annahmen dokumentiert werden:

 

2.1.

ausgesäte Körner: 70/m²

Keimfähigkeit

80 %

Reihenweite

12cm

Körnerlängsverteil theor.

12cm

Genetisches Potenzial der Sorte

5000kg

 

 

2.2.

Idealverteilung von 10 Körnern:

12 cm Kornabstand, 4 cm
Saattiefe, 80 % Feldaufgang 



 

2.3.

Normalverteilung von 10 Körnern auf 120 cm:




2.4.

Ertragsberechnung

a) Idealfall: 80 % von 5000 kg ergibt 4000 kg Ertrag

b) Normalfall:

40 % mit 5000 kg

2000 kg

30 % mit 3500 kg

1050 kg

30 % Ausfall

Summe

3050 kg Ertrag


Die gewählte Darstellung kann die praktischen Verhältnisse natürlich nur annähernd beschreiben, weil einerseits die Kompensationsfähigkeit der Pflanzen sorten- und umweltbedingt ist, andererseits die Längs- und Tiefenverteilung des Saatgutes noch deutlich schlechter sein kann. Dennoch wird eines ganz klar: Die Aussaat ist neben dem folgenden Pflanzenschutz bei der Sojabohne das entscheidende Kriterium für den Ertrag, das wir beeinflussen können.

 

3. Pflanzenschutz


Die Sojabohne ist während ihrer Jugendentwicklung sicherlich ähnlich wie der Mais gegenüber Verunkrautung empfindlich. Daher ist entsprechend Sorge zu tragen, dass diese sensible Phase ohne größere Konkurrenz ablaufen kann. Aufgrund der Unkrautsituation wird in Kärnten überwiegend die Nachauflaufanwendung Harmony + Basagran + Netzmittel im Splitting angewendet, wobei bei der zweiten Applikation ein gräserwirksames Herbizid beigemengt wird. Mit dieser Kombination wird in der Regel eine breite Wirkung auch gegen Wurzelunkräuter erzielt – wenn auch zu hohen Kosten. Das Problemkind Schwarzer Nachtschatten ist damit nicht immer sicher in den Griff zu bekommen, insbesondere, wenn die erste Spritzung unter nicht optimalen Bedingungen durchgeführt wird bzw. werden muss. Im Vorauflauf wurde 2008 Artist etwas stärker eingesetzt. Die Erfahrungen dabei sind „durchwachsen“, wenn man das so sagen darf. In vielen Fällen folgte im niederschlagsreichen Jahr 2008 eine Spätverunkrautung mit Knötericharten, Gänsefuß, Amarant und auch Schwarzem Nachtschatten. Die Erwartung, mit einer Applikation zu relativ günstigen Kosten das Unkrautproblem gelöst zu haben, hat sich leider nicht erfüllt. Dennoch kann aus den Erfahrungen des Sortenversuches in St. Kanzian abgeleitet werden, dass eine mäßige Nachverunkrautung sich nicht ertragsrelevant auswirkt. Die Anreicherung von Samenpotential im Boden bzw. technische Störungen bei der Ernte durch Solanum sind natürlich ein anderes Kapitel.

4. Versucherergebnisse 08


Auch in unseren Versuchen gelingt es natürlich nicht zu 100 % die Standraumverteilung auf das oben beschriebene Ideal zu trimmen. Umso erstaunlicher sind unter diesem Gesichtspunkt die Erträge, die wir besonders im heurigen Jahr erzielen konnten. Im folgenden Diagramm sind die Leistungen der wichtigsten Sorten im Mittel beider Standorte dargestellt.

 







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Beginn: 9:30 Uhr

Aufzuchtstation Ossiacher Tauern

Tauern 1, 9560 Feldkirchen

 

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